Literaturübersetzung

27,Jul,2012

Die Literaturübersetzung stellt eine der anspruchsvollsten Aufgaben für Übersetzer dar. Hier tritt deren Rolle als Vermittler zwischen den Kulturen noch deutlicher in den Vordergrund als bei Fachübersetzungen für Handel und Wirtschaft.

Je nach Projekt und Gattung spielen bei Literaturübersetzungen eine Reihe von komplexen Aspekten eine bedeutende Rolle. Eine der wichtigsten Fragen zu Beginn des Projekts ist die Frage nach dem Grad der Treue. Bis ins 19. Jahrhundert hinein dominierten in der Übersetzungstheorie die Verfechter zweier gegensätzlicher Konzepte: Eine Übersetzung sollte entweder „wörtlich“ oder „frei“ sein. In der Mitte des 20. Jahrhunderts rückte dann das Konzept der Äquivalenz in den Vordergrund. Die Übersetzungstheoretiker diskutierten, in welchem Maße Äquivalenz als eine notwendige Voraussetzung für das Übersetzen anzusehen sei. Ganz allgemein ausgedrückt: Strebt man eine freie zieltextorientierte Übersetzung an, wäre die Strategie der Äquivalenz jenseits der Wortebene anzuwenden, wohingegen eine wörtliche ausgangstextorientierte Übersetzung eher die Äquivalenz auf der Wort- oder Textebene repräsentiert. Seit Ende des 20. Jahrhunderts konzentriert sich die Übersetzungstheorie und -praxis auf die Frage, ob der Sprachmittler das Fremde des Ausgangstextes bewahrt, und somit den Autor so originalgetreu wie möglich wiedergibt, oder ob er die Übersetzung anpasst, damit diese den kulturellen und linguistischen Vorlieben der Leserschaft entspricht.

Lawrence Venuti ist einer der Wissenschaftler, die sich mit dem Begriff des Fremden auseinandergesetzt haben. In seinem 1995 erschienenen Buch The Translator’s Invisibility (London und New York: Routledge) führt er die Begriffe foreignization (Verfremdung) und domestication (Domestizierung) ein. Er beschreibt die entgegengesetzten Übersetzungsstrategien, bei denen die fremden Elemente entweder gelöscht werden oder aber betont werden. Die Texte lesen sich dann für den zielsprachigen Leser entweder sehr flüssig oder er wird bei jedem Satz mit der Nase darauf gestoßen, dass es sich um eine Übersetzung handelt. Besonders bei sprachlichen Elementen kann die Beibehaltung des ausgangssprachlichen Duktus sehr befremdend anmuten und den Lesefluss und -genuss stören. Obwohl die Idee der foreignization theoretisch begründet ist, kann sie in der Praxis problematisch werden, insbesondere wenn die Übersetzung von einem breitgefächerten Publikum gelesen, verstanden und geschätzt werden soll.

Zur Hauptsorge vieler professioneller Literaturübersetzer hat sich auch die Unterscheidung zwischen „guter” oder „schlechter” Übersetzung entwickelt. Heutzutage wird weitgehend erwartet, dass eine perfekte Übersetzung produziert wird. Die Übersetzung soll dabei die gleichen Emotionen hervorrufen wie der Originaltext. Dabei werden oft sämtliche Spuren des fremden Ursprungs aus den Übersetzungen ausradiert – der Übersetzer selbst wird unsichtbar. Dies ist ein deutlicher Trend auf dem Literaturmarkt: Obwohl Literaturübersetzer heutzutage größere Freiheiten genießen und ihre Individualität in die Texte einbringen können, sind sie letztlich doch von den Autoren und den Verlagen abhängig.

Generell handelt es sich beim Literaturübersetzen um einen komplexen Prozess mit vielen unterschiedlichen Ansätzen. Es kommt dabei nicht nur auf perfekte linguistische Fähigkeiten des Übersetzers an, sondern auch auf dessen Verständnis von der Wirkung, die der Autor (oder der Verlag) mit dem Text erzielen möchte. Anders als bei sonstigen Übersetzungsarten kann hier eine wörtliche Übersetzung eher vom tiefen Verständnis und der Wertschätzung zeugen, die der Übersetzer dem Ausgangstext entgegen bringt, als dessen sprachliche Inkompetenz belegen.

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