Fehlender Übersetzer-Nachwuchs in der EU

07,Sep,2012

In der EU-Kommission wimmelt es nur so an Sprachen. Wenn neueste Entwicklungen jedoch weiter voranschreiten, werden sich die 23 Amtssprachen immer weniger bewältigen lassen. Die 2.500 Übersetzer und Dolmetscher arbeiten bereits auf Hochtouren, um die steigende Anzahl an Gesetzesentwürfen, Studien usw. zu bearbeiten.

Dabei ist es nicht immer einfach den passenden Übersetzer oder Dolmetscher für jede Sprachkombination zu finden. Tschechische Muttersprachler, die aus dem Maltesischen übersetzen können, sind nun einmal rar. In solchen Fällen muss die Übersetzung oder Verdolmetschung über sogenannte Relais-Sprachen ausgeführt werden. Das bedeutet, dass z.B. das maltesische Original zunächst ins Englische und dann aus dem Englischen ins Tschechische übersetzt wird.

Auch wenn die großen Sprachen wie Englisch, Deutsch oder Französisch heute noch größtenteils abgedeckt werden, fehlt es an Nachwuchs. In Großbritannien werden Fremdsprachen seit kurzem nicht mehr als Pflichtfach unterrichtet, sondern nur noch auf freiwilliger Basis. Und selbst wenn Briten Fremdsprachen sprechen, wenden sie ihr Wissen lieber in der besser entlohnten Privatwirtschaft an. Die EU-Kommission kann dagegen höchstens mit einer gewissen Jobsicherheit locken.

In nordischen Ländern gibt es ein anderes Problem. Hier wird meistens nur eine einzige Fremdsprache (zumeist Englisch) gelernt. Voraussetzung für die Arbeit bei der EU-Kommission ist allerdings die Kenntnis von mindestens zwei Fremdsprachen.

Für den deutschen Sprachraum liegt das Problem mit dem Nachwuchs weniger an der Bereitschaft, sondern an der fehlenden Kenntnis der Rechtschreibung und Orthographie der Muttersprache. Auch hierauf muss natürlich Wert gelegt werden. Wir berichteten bereits über den sinkenden Standard von Deutschkenntnissen unter deutschsprachigen Studenten.

Quelle: Süddeutsche Zeitung