125 Jahre Esperanto: die Bayerische Staatsbibliothek eröffnet eine Ausstellung zum Thema konstruierte Weltsprachen

25,Jul,2012

Bis zum 9. September kann man in der Bayerischen Staatsbibliothek München die Ausstellung „Zwischen Utopie und Wirklichkeit: Konstruierte Sprachen für die globalisierte Welt“ besuchen. Ausschlaggebend sind nicht nur das 125-jährige Jubiläum des Esperanto, sondern auch der 100. Todestag von Johann Martin Schleyer.

Als Erfinder der künstlichen Sprache „Volapük“, die Schleyer 1879 zum ersten Mal beschrieb, ebnete er den Weg für die sehr viel erfolgreichere Sprache Esperanto, in der seine Vorstellung der Völkerverständigung durch eine leicht zu erlernende gemeinsame Sprache für alle fortwährt. Volapük breitete sich recht schnell von Süddeutschland bis in andere Länder Europas und sogar Übersee aus. Dies führte zur Gründung von Vereinen, Veröffentlichung von Zeitschriften und Büchern bis hin zur Durchführung von internationalen Kongressen.

Jedoch folgte dem Siegeszug des Volapük ein schnelles Ende, das durch Reformbestrebungen und Schleyers Festhalten an der von ihm entwickelten Sprache bedingt war. Auch wenn seine konstruierte Sprache durch große Regelmäßigkeit in der Aussprache, Grammatik und Wortbildung gekennzeichnet war, war sie dennoch relativ schwer einprägsam. Noch bevor Esperanto populär wurde, war es um das Volapük bereits geschehen.

1887 veröffentlichte der polnische Arzt Ludwig Lejzer Zamenhof das erste Lehrbuch für eine universelle Weltsprache: „Esperanto“. Mit der künstlichen Sprache wollte Zamenhof, wie Schleyer, die babylonische Sprachverwirrung beenden. Sein erstes Wörterbuch beinhaltete 1.000 Wortwurzeln, die aus verschiedenen Sprachen hervorgingen. Anders als das zeitgleich entstandene Volapük, war Esperanto durch einfache Wortkombinationen leichter einzuprägen und hört sich wie eine Mischung aus Italienisch und Russisch an.

Auch wenn Esperanto aus dem Bewusstsein der meisten Menschen größtenteils verschwunden ist, so wird diese Sprache trotzdem nicht so schnell aussterben wie man vielleicht glaubt:

  • Laut einem aktuellen EU-Bericht beherrschen weltweit zwischen 200.000 und drei Millionen Menschen Esperanto.
  • Radio Vatikan sendet in dieser Sprache, im Internet bietet Firefox Esperanto als Auswahlsprache an und mit mehr als 135.000 Wikipedia-Artikeln befindet sich Esperanto auf Platz 22 der 272 Wikipedia-Sprachen.

Quelle: Märkische Allgemeine