Nachrichten aus der Übersetzungsbranche | 03.08.2012

Rechtschreibreform auf Portugiesisch

Erinnern Sie sich an die Rechtschreibreform von 1996, nach der „Schifffahrt“ nun mit drei f geschrieben wird? Eine ähnliche Reform hat nun Portugiesisch ereilt.

Der „acordo ortográfico“ wurde bereits 1990 durch die Comunidade dos Países da Língua Portuguesa (CPLP, Gemeinschaft der portugiesischsprachigen Länder) beschlossen. In Brasilien ist die Reform 2009 in Kraft getreten. In Portugal dagegen sammelte eine Petition über 120.000 Unterschriften gegen die Reform. Da sich unter den Reformgegnern zahlreiche namhafte Politiker, Schriftsteller und Übersetzer befanden, verzögerte dies die Ratifizierung und die Reform trat erst zum 1. Januar 2012 in Kraft. Die neuen Rechtschreibregeln betreffen rund 220 Millionen Menschen in acht Ländern weltweit.

Die Hauptpunkte betreffen:

  • Groß-/Kleinschreibung, z.B. Janeiro wird janeiro (für Januar)
  • Abschaffung des Tremas und anderer diakritischer Zeichen, z.B. vôo wird voo (für Flug)
  • Änderung der Diphthonge, jóia wird joia (für Schmuck)
  • Wegfall von Bindestrichen, z.B. fim-de-semana wird fim de semana (für Wochenende)
  • Tilgung von stummen Konsonanten, z.B. correcto wird correto (für richtig)

190 Millionen Brasilianer machen über 80 % der portugiesischen Muttersprachler aus. Daher scheint es logisch, dass sich die Reform vor allem an der brasilianischen Variante orientiert. So müssen Portugiesen ca. 1,6 % ihres Wortschatzes nun anders schreiben, während die Brasilianer nur bei 0,45 % umdenken müssen. Diese „Brasilianisierung“ wird jedoch von den europäischen und afrikanischen Portugiesisch-Sprechern skeptisch beäugt: schließlich sah sich Portugal mit 10 Millionen Einwohnern stets als höchste Instanz, wenn es um korrekten Sprachgebrauch ging. Und obwohl die Reform nun beschlossen ist, zögern viele Portugiesen noch bei der Umsetzung. Und wer kann es ihnen verdenken? Gerade in Deutschland erinnern wir uns noch genau, wieviele Schlachten um die Rechtschreibreform zu schlagen waren, bis die neuen Regeln endlich abgesegnet und eingeführt wurden. Für die Umgewöhnung wurde den Portugiesen bis 2015 Zeit gegeben.

Sollte die Vereinheitlichung funktionieren, steht dem großen Ziel, in den Kreis der offiziellen UNO-Sprachen aufgenommen zu werden, nichts mehr im Weg. In den Medien wird die neue Rechtschreibung nach und nach eingeführt. So erscheinen Zeitungen wie Expresso, Sol oder Record bereits in der neuen Form. Es wird aber sicherlich noch dauern, bis die neue Rechtschreibung auch in Wörter- und Lehrbücher übernommen wird.

Während der Übergangsphase bietet The Translation People beide Varianten an.


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